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Restaurierung des Chorgestühls der Kath. Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“

Referenz

Restaurierung des Chorgestühls der Kath. Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“

Restaurierung in Wettenhausen, Lkr. Günzburg an der Donau

Werktitel:Chorgestühl der Kath. Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“
Entstehungsjahr:
Ort:Wettenhausen, Lkr. Günzburg an der Donau
Auftraggeber:Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (BLfD)
Jahr des Projektes:2016

Besonderheiten

Dokumentation:

Inhaltsverzeichnis:

 

1. OBJEKTBESCHREIBUNG

1.1 Objektbezeichnungen

1.2 Standort

1.3 Maße

1.4 Datierung

1.4.1 Chorgestühl

1.4.2 Schnitzereiaufsätze

1.4.3 Vergleichsstück

1.5 Materialien Seite

2. KONSTRUKTION

3. VORZUSTAND

3. 1 Konstruktion

3.2 Oberfläche

4. FRÜHERE RESTAURIERUNGEN

5. RESTAURIERUNGSKONZEPT

6. MAßNAHMEN

6.1 Konstruktion

6.2 Oberfläche

7. VERWENDETE MATERIALIEN

8.ZEICHNUNGEN

9 ABBILDUNGSVERZEICHNIS

10. FOTOS

11. ANHANG

 

 

1. OBJEKTBESCHREIBUNG

Die Nummerierung der Stauen (1-10) des Chorgestühls in Wettenhausen erfolgt jeweils von Westen nach Osten. S steht für die Gestühlsreihe entlang der Südseite des Presbyteriums, N für die Gestühlsreihe entlang der Nordseite.

 

1.1 Objektbezeichnungen

Im Presbyterium entlang der Nord- und Südseite der Kath. Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt" in Wettenhausen befindet sich das zu restaurierende Chorgestühl (siehe Abb. Dia 25-29).

Die zwei symmetrisch gegenüberstehenden und beinahe identischen Gestühlsreihen mit je 10 Stauen und dazugehöriger Brüstung schließen einseitig an die Wandverkleidungen mit umbauten Türen zum Kreuzgang bzw. der Sakristei an.

Die Stallen besitzen hochklappbare und gepolsterte Sitzbretter ohne Miserikordien.

Zur genaueren Beschreibung der Chorgestühlsarchitektur wird das Chorgestühl in drei Flächen unterteilt:

Die beiden Gestühlsblöcke stehen auf einem ca. 25 cm hohen Podest. Die Brüstungen sind an dessen Vorderseite angebracht und reichen bis zum Kirchenboden (siehe Abb. Dia 11, 23, 24).

Sie sind durch Rahmen und Füllungen gegliedert, welche sich in Sitzflächen und Dorsalen fortsetzen. Das obere Ende der Brüstungen bildet eine geneigte Gebetsbuchablage. Am östlichen Ende der Gestühlsblöcke grenzt eine Kommunionbank an.

Hinter den Brüstungen gliedert sich das eigentliche Chorgestühl in je 10 Stallen, bestehend aus zwei Abschlussdocken, neun Mitteldocken und dem darüber liegenden Schulterring. An den Seiten- und Mitteldocken befinden sich Schnitzereien.

Reste des ursprünglich reichen Schnitzdekors sind hier erhalten (Dia 23, 24; Abb. 10, 12, 13).

Zierliche und einheitliche Büsten sind Bestandteil der verzierten und geschwungenen Scheidewände unter den Schulterringen (Accoudoirs). Schematisch und identisch sitzen Kronen und fallende Kopfhaare (siehe Abb. 10, 12) auf den sich wiederholenden Gesichtern. Die große Menge des Schnitzdekors lässt vermuten, dass bei der Herstellung des ursprünglich noch reichhaltiger geschnitzten Gestühls mehrere Bildhauer beteiligt waren.

Die Dorsale über den Schulterringen gliedert sich je Sitzflache in zwei unterschiedlich große Füllungen mit dazwischenliegenden Profilleisten (Dia 10, 18). Den oberen Abschluss bildet ein horizontal verlaufendes Profil mit Verkröpfungen zwischen den Stallungen (Dia 18).

Darüber befinden sich aufgesetzte Schnitzbekrönungen.

 

1.2 Standort:

Kath. Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt" in Wettenhausen,

Diözese Augsburg,

Landkreis ist Günzburg an der Donau,

Patrozinium, Mariä Himmelfahrt 15. August

 

1.3 Maße:

Gestühl:

Gesamtlänge: 957 cm

Gesamthöhe: 357 cm

Gesamttiefe: 192 cm

 

1.4 Datierung:

1.4.1 Chorgestühl

Das Gestühl wird von Dehio auf die Zeit um 1680 datiert.

 

1.4.2 Schnitzereiaufsätze

Die sieben Schnitzbekrönungen auf jeder Seite sind spätere Ergänzungen, vermutlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ornamente des Historismus sind deutlich erkennbar (Dia 18; Abb. 5). Eine Datierung mit der Jahreszahl 1930 auf der Rückseite einer Schnitzbekrönung wurde vermutlich bei einer Überarbeitung aufgetragen.

 

1.4.3 Vergleichsstücke

Ochsenhausen:

Das Chorgestühl aus Wettenhausen (Datiert 1680) ist dem Chorgestühl von Ferdinand Zech aus Ochsenhausen (Datiert 1686) sehr ähnlich. In einem direkten Vergleich werden trotz fehlender Dekorationsmotive des Wettenhausener Chorgestühls Parallelen im architektonischen Aufbau, in der Ornamentik und in der Profilierung deutlich sichtbar (siehe Dia 26-29; Abb. 5; vgl. mit Abb. 15)

Die These, dass Ferdinand Zech an dem Chorgestühl der Kath. Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt" in Wettenhausen mitgewirkt hat kann aufgestellt werden.

Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Chorgestühls, kann im Vergleich mit den Gestühlsblöcken aus dem zweiten Joch des Hauptschiffes verglichen werden (siehe Abb. 6, 7). Denkbar wäre unter Umständen, dass diese Gestühlsblöcke ursprünglich Teil eines größeren Chorgestühls waren.

Vermutlich war das Chorgestühl noch reicher als diese Gestühlsblöcke des Hauptschiffes gestaltet, denn es findet sich bei den Rücklagen der Säulen des Gestühls im Hauptschiff eine gerade Fläche, während die entsprechende Fläche beim Chorgestühl gekehlt ausgearbeitet ist.

 

1.5 Materialien:

Eiche:

Docken, Scheidewände, Wangen, Sitzbretter, Schulterringe, Gesimsprofile und Brüstung, Teile der Dorsale und Gebetsbuchablage.

 

Eichenfunier:

Dorsalfläche, Brüstungen, gesamte Wandvertäfelung, Rückwand der Stallen

 

Linde:

Schnitzbekrönungen

 

Nadelholz:

Blindholzkonstruktion: Dorsale, Dorsalfüllungen, Gesims, Rückwand der Stallen, Wandvertäfelung

Kniebänke und Podestdielung

 

Lärche:

Holzbalkenunterkonstruktion (druckimprägniert)

 

Eisen:

geschmiedete Montagestreben der Brüstungen, Schlösser und Beschläge der Türen, Schrauben und Nägel

 

2. KONSTRUKTION

Das Chorgestühl ist in Rahmenbauweise konstruiert. Die tragenden Hölzer sind aus Eiche und Nadelholz. Durch Überplattungen, Spundungen, zweiseitige Grate und Befestigungsschlaudern wird die erwünschte Stabilität erzielt.

Die Konstruktion der Podeste besteht aus Längsbalken und rechtwinklig dazu überplatteten Querbalken (fünf je Seite) die auf einer Sand-Kiesschüttung auflegen. Die längsverlaufenden Dielenbretter sind auf die Abstände der 5 querliegenden Trägerbalken zugeschnitten und an den Enden vernagelt (siehe Dia 15; Abb. 1).

Die Brüstungen sind aus massiver Eiche in Rahmenbauweise konstruiert (siehe Dia 11, 12; Abb. 11). Die Gebetsbuchablage liegt stumpf auf und ist mit dieser verschraubt. Geschweifte und geschnitzte Abschlussdocken stabilisieren die Brüstung. Zusätzlich erhalten die Brüstungen ihre Festigkeit durch Verschraubungen mit den Längsbalken der Podeste, durch geschmiedete Montagestreben, sowie durch den Anschluss an die Kommunionbank (siehe Dia 15,23; Abb. 13).

Docken, Sitzflächen und Schulterringe sind aus massiver Eiche gebaut (siehe Dia 23, 24; Abb. 10, 12).

Seiten-, Mitteldocken, Sitzbretter sind in Brettbauweise verleimt. Die klappbaren Sitzflächen sind mit den Docken durch Drehzapfen verbunden. Die Schulterringe bestehen aus Eichenbohlen, die im Bereich der Sitzflächen bogenförmig ausgesägt wurden. Sie sind in die Seiten- und Mitteldocken eingenutet.

Die Dorsale sind in Rahmen- und Füllungsbauweise gearbeitet (siehe Dia 10, 18; Abb. 5, 9). Rahmen und Füllungen sind aus Fichte und mit Eiche furniert, mit Ausnahme der später hinzugefügten Füllungen auf der Südseite, diese sind aus massivem Eichenholz. Die je zweiteiligen Rückwände liegt stumpf auf den Schulterringen auf und ist mit Mauernschlaudern an der Wand befestigt. Zusätzliche Vernagelungen fixieren die Rückwand mit dem Schulterring. Die furnierten Rahmenschenkel zwischen den Füllungen sind konkav gearbeitet. Den oberen Abschluss bildet ein aufgesetztes, gekröpftes und vernageltes Profil.

Wandvertäfelung und Tür sind ebenfalls in Rahmen- und Füllungsbauweise konstruiert und mit Hilfe von Mauernschlaudern und Verschraubungen an der Wand angebracht. Das Nadelträgerholz ist eichenfurniert (siehe Abb. 20, 21, 22; Abb. 8, 10, 14).

Die Schnitzbekrönungen bestehen aus zusammengeleimten Lindenbrettern. Diese liegen auf dem Gesims der Dorsale auf und sind vernagelt, bzw. verschraubt (siehe Abb. 18,21).

 

3. Vorzustand

3.1 Konstruktion:

Bedingt durch belegte Umgestaltungen und Bearbeitungen sowie durch Abnutzungs- und Materialermüdungserscheinungen erschienen die Chorgestühlsblöcke vor der Demontage 1995 in einem konstruktiv instabilen Zustand. Das Erscheinungsbild der Oberfläche war fleckig, farblich uneinheitlich und von der Beschaffenheit des Glanzgrades heterogen (s. Abb. Dia 11, 12, 13, 14; Abb. sw5, 8, 14).

Durch die bauseits bedingte Demontage des Chorgestühls und der Podeste zeichnete sich der größte konstruktive Schaden im Bereich der Balkenunterkonstruktion der Podeste ab. Diese waren aufgrund der aufsteigenden Bodenfeuchte und nicht genügender Luftzirkulation extrem stark beschädigt (siehe Abb. 1, 2, 3).

Die Bodendielung ist in einem relativen guten Zustand, die Oberfläche ist durch die Nutzung im Bereich der Stauungen abgelaufen.

Die Brüstung samt Brüstungsdocken ist instabil, bzw. in ihrer Befestigung an den Podestrandbalken gelockert. Die Füllungen aus massiver Eiche zeigen Schwundrisse, früher wohl vorhandene Schnitzereien fehlen (siehe Abb. 11).

An den Anschlüssen der aus zwei Teilen bestehenden Brüstung sind Fugen sichtbar.

Außerdem sind diverse Fehlstellen an Furnier und Profilen zu erkennen (siehe Zeichnung: Südseite, Nordseite).

Die eingegrateten Stallungsdocken im Bereich der Fußbodendielungen haben sich in den Holzverbindungen und aufgrund des schlechten Zustandes der Podeste gelockert. Die beweglichen Sitzbretter klemmen teilweise, da die angrenzenden Docken zu eng stehen oder verworfen sind. Teilweise hat sich die Gratfeder im Bereich der Schulterringbefestigung aus der Gratnut gelöst.

Die auffälligsten Schäden im Bereich der Rückwände sind neben den fehlenden Schnitzereien eine unbefriedigende Passgenauigkeit der einzelnen Bauteile.

Hier wurden zu einem späteren Zeitpunkt Abdeckleisten angebracht (siehe Zeichnung: Südseite, Nordseite; siehe Abb. 9, 10).

Die nachträglich aufgesetzten Schnitzbekrönungen sind nicht im gleichmäßigen Abstand montiert.

Der größte Umfang von Furnierablösungen zeigte sich im Bereich der Rückwände, hier speziell an den Hohlkehlen. Zusätzlich gab es Ablösungen und Fehlstellen im Bereich der Profile (siehe Zeichnung: Nordseite, Südseite).

Im Bereich der Wandvertäfelungen, sowie der Türen zur Klausur und zur Sakristei setzten sich die konstruktiven Schäden in ähnlicher Weise fort.

 

3.2 Oberfläche

Bedingt durch Veränderungen und frühere Restaurierungen ist das farbige Erscheinungsbild des Gestühls sehr ungleichmäßig und zudem durch mechanische Abnutzungen und Lichtschäden geprägt (siehe Dia 10, 11, 12, 13, 14; Abb. 5, 8, 10, 14).

Querschnittuntersuchungen die im Zuge der Voruntersuchung2 durchgeführt wurden, ergaben eine Vielzahl von übereinanderliegenden Beschichtungen. Die Auswertung dieser Proben wird wie Folgt bewertet:

Es finden sich Reste einer früheren Maserierung großflächig unter den Sitzen, aber auch kleinflächig über alle Gestühlsteile verteilt erhalten. Die Aufsätze zeigen ebenfalls eine Maserierung. Es ist anzunehmen dass das gesamte Gestühl nach Zufügung der Aufsätze 1930 mit dieser Maserierung gefasst wurde.

Die Maserierung wurde (vermutlich im Zuge der Veränderung am Laiengestühl um 1970) wieder abgenommen.

Die danach verbliebenen Reste älterer transparenter Beschichtungen wurden im stark angegriffenen Zustand mit modernen Überzügen überfangen.

Die Überzüge sind teils stark eingefärbt. Die Tatsache, dass geschädigte ältere Lacke überfangen wurden kann eine Erklärung für die kleinflächig nebeneinanderliegenden gut erhaltenen und stark geschädigten Bereich der Überzüge an den Dorsalen im südlichen Gestühlsblock sein.

Durch Lichtschäden hell erscheinen heute vor allem die östlichen Bereiche des nördlichen Gestühls.

Der Oberflächenzustand des südlichen Chorgestühls war im Gegensatz zum nördlichen Block, welcher einheitlich stark gebleicht war, in einem uneinheitlichen, fleckigen Zustand. Eine Erklärung hierfür könnte ein mehrfaches Überlangen unterschiedlicher Lack- und Lasurschichten bei früheren Restaurierungen sein.

Im Bereich des Weihwasserkessels auf der Nordseite sind starke Wasserschäden erkennbar (siehe Dia 13, 14).

Noch aktiver Schädlingsbefall konnte nicht festgestellt werden.

 

4. FRÜHERE RESTAURIERUNGEN

Zahlreiche Umarbeitungen und Restaurierungen prägen das Erscheinungsbild des Chorgestühls in Wettenhausen.

Die auffälligste Umgestaltung wurde 1802 im Zuge der Säkularisation durchgeführt.

Hierbei wurden ein Großteil der Schnitzverzierungen, sowie ganze Füllungsbretter und die bekrönenden Schnitzereien abgenommen und nach Erzählungen im Klosterhof versteigert. Eine Vorstellung der Gestaltung vor 1802 kann man sich anhand der Gestühlsblöcke im Kirchenschiff machen (siehe Abb. 6, 7).

Bei einer nichtbelegten Restaurierungsmaßnahme, wohl im 19. Jh. wurden die damals fehlenden Füllungen an den Rückwandbrettern ausgetauscht (siehe Dia 7, 8, 9).

Im diesem Zuge könnte das Chorgestühl mit einer Holzimitationsmalerei überfasst worden sein. Teile davon sind heute noch im Innenbereich der Brüstungen, sowie im unteren Bereich der Stauungen sichtbar.

Bei einer weiteren Überarbeitung um die Jahrhundertwende sind die noch heute vorhandenen Schnitzbekrönungen aufgesetzt worden. Die gefundene Datierung auf der Rückseite einer Schnitzbekrönung „1930" könnte auf eine erneute Überarbeitung hinweisen.

Vermutlich mit der Veränderung des Laiengestühls um 1970 wurde die Holzimitationsmalerei großflächig abgenommen und das Gestühl mit einem transparenten Lack überzogen.

1995 musste im Zuge einer Mauerabsenkung im Presbyterium das Chorgestühl abgebaut werden, um eine Rißverpressung der Außenmauern durchführen zu können. Gleichzeitig wurde das Fundament unterfangen und saniert.

1997 wurde das Chorgestühl unter Einbezug neuer Lagerbalken wieder aufgestellt und bestmöglich in seine alte Position gebracht. Durch die Verpressung der Mauern und sich eine dadurch veränderte lnnenraumgröße, ergab sich dadurch eine leicht veränderte Positionierung der Gestühlsblöcke zur Mitte. Außerdem sollte eine bestmögliche Hinterlüftung des neuaufgestellten Chorgestühls gewährleistet werden.

Die hier beschriebene Restaurierungsdokumentation umfasst alle Arbeiten am Chorgestühl ab diesem Zeitpunkt.

 

5. RESTAURIERUNGSKONZEPT

Ziel der Restaurierung ist nach Durchführung aller holztechnischen Arbeiten das Gestühl in einen geschlossenen, gealterten Zustand zu versetzen.

Durch eine Reduzierung der Oberflächenrückstände der nördlichen Seite und durch das Überfangen mit einem pigmentierten Überzug der südlichen Seite, sollen die farblich sehr differenzierten Chorgestühlshälften wieder zu einem einheitlichen Gesamtbild zusammengefügt werden.

Desweiteren soll überprüft werden, ob sich Aufsätze und Kommunionbank farblich ins Gesamtbild einfügen, oder ob diese ebenfalls mit einem eingefärbten Lack überlangen werden sollen.

Eine Beschattung in Form von Lichtschutzvorhängen- oder Folien gegen die Sonneneinstrahlung wird dringend empfohlen.

 

6 Maßnahmen

6.1 Konstruktion

Nach der Demontage des Chorgestühls (siehe Dia 4, 5, 6; Abb. 4), wurde dieses zwei Jahre später wieder aufgestellt. In diesem Zuge wurden die nahezu vollständig verrotteten Podestbalken (siehe Abb. 1, 2, 3) aus ehemals Eichenholz gegen neue, gleichen Querschnitts, jedoch aus druckimprägnierter Lärche ausgetauscht. Die neuen Balken wurden auf eine Kiesschüttung gelegt. Die historische Fußbodendielung samt Schwundrissen und ausgetretenen Stellen wurden belassen.

Sowohl bei der Demontage wie auch bei der Montage wurde darauf geachtet, sowenig wie möglich an den Gestühlsblöcken zu zerlegen. So wurde unter anderem die originale Befestigung der Stallungen mit den hinteren Fußbodenbohlen belassen.

Bedingt durch die veränderte Mauersituation und durch ein Abrücken der Gestühlsblöcke von der Wand zum Zwecke der besseren Hinterlüftung, änderte sich das lichte Maß zwischen Nord- und Südblock. Dies ist daran zu erkennen, dass die heute nicht mehr verwendeten Chorschrankentüren sich überlappen.

Bei der Baumaßnahme 1995 - 1997 wurde die Alarmanlage für das Presbyterium neu installiert.

Befestigt wurde das Chorgestühl wieder durch Verschraubungen an den Podestrandbalken. Früher verwendete Nägel wurden gegen Schrauben ausgetauscht, zur Verwendung kamen ausschließlich Edelstahlschrauben (V2A). Die Schraubenköpfe wurden aus ästhetischen Gründen in Holzfarbe retuschiert, oder ausgewachst. Alle Befestigungspunkte sind in der Zeichnung markiert (siehe Zeichnung: Nordseite, Südseite).

Die Rückwände der Chorgestühlsblöcke wurden wieder an gleicher Stelle mit Mauerschlaudern an der Wand befestigt.

Alle im nachfolgenden beschriebenen holzrestauratorischen Maßnahmen, wie die Festigung loser Teile und das Ergänzen von Fehlstellen, sind in der Zeichnung eingetragen.

Schreinerische Ergänzungen wie das Anfertigen neuer Antrittsstufen, sowie das Anfertigen von Passleisten in den Türlaibungen zur Klausur, bzw. Sakristei wurden von der ortsansässigen Schreinerei Sommer durchgeführt.

Fehlende Profilleisten, sowie fehlende Massivholzteile und Furniere wurden entsprechend dem Kantenverlauf ergänzt (siehe Zeichnung: Nordseite, Südseite). Besonders zu erwähnen waren hierbei die losen Furnierpartien in den Hohlkehlen der Rückwände (siehe Zeichnung: Nordseite, Südseite).

Frühere Ergänzungen und Reparaturen wurden belassen, soweit diese handwerklich und ästhetisch vertretbar waren.

Im Bereich der Übergänge zwischen den einzelnen Gestühlselementen mussten teilweise Blend-, bzw. Abdeckleisten angefertigt werden (siehe Zeichnung: Nordseite, Südseite; Abb. 9, 10). Das klemmende Sitzbrett der sechsten Staue der Südseite wurde durch Abhobeln eingepasst.

Alle Eichenholzergänzungen wurden zuerst mit Ammoniak geräuchert und anschließend mit Essigessenz neutralisiert, bevor die Ergänzungen mit Wasserbeizen und Aquarellfarben an das angrenzende Umfeld angepasst wurden.

Die aufgesetzten Schnitzbekrönungen über den Dorsalen wurden neu ausgerichtet, entsprechend dem Vorbild an den historischen Gestühlsblöcken im Kirchenschiff etwas nach vorne geneigt und mit Edelstahlschrauben und verzinkten Drahtseilen neu befestigt.

Kleinteilige Fehlstellen wie Nagellöcher, kleinste Ausbrüche und Risse wurden ausgekittet.

An den Chorschranken wurden auffällige Holzfehlstellen ergänzt.

 

6.2 Oberfläche

Zunächst wurde das Gestühl nach Abschluss aller Holzarbeiten mit einer pH-neutralen Seifenlösung gereinigt. Im Bereich der Fußbodenbretter wurde diese Maßnahme unter Zuhilfenahme von Bürsten gründlich vorgenommen. Diese blieben ohne jeglichen weiteren Überzug holzsichtig roh. Die in den Innenseiten erhaltenen lmitationsmalereien, sowie die Maserierung an den Schnitzbekrönungen wurden entsprechend vorsichtig gereinigt und blieben bei den weiteren Maßnahmen ohne weiteren Überzug. Zur Anpassung des Tiefenlichts wurden die Schnitzbekrönungen mit einem Gemisch bestehend aus Ethanol, Balsamterpentinöl, Benzin und einem geringen Anteil von Leinöl gereinigt.

Die nachträglich grau gestrichene und Großteils abgelaufene Ölfarbe der Antrittsstufe der Chorschranke wurde mit einem Abbeizer entfernt und mit Ethanol nachgereinigt. Zur farbigen Einstimmung wurde Nadelholz - Positivbeize verwendet (siehe Dia 19).

Die Chorschranke selbst wurde entsprechend der Oberflächenbearbeitung der Chorgestühlsblöcke bearbeitet.

Da die Oberfläche der in Nord-Südrichtung ausgerichteten Gestühlsblöcke unterschiedlich gut erhalten war unterschied sich deren Bearbeitung.

Die Oberfläche der nördlichen Seite wurde wie folgt bearbeitet:

Mechanisches, partielles Entfernen von Rückständen von Oberflächen mit einem Skalpell und Schleifpapier der Körnung 320-400, um die Farbunstimmigkeiten besser ausgleichen zu können.

Abbeizen der verfärbten Oberflächenbeschichtung in den ergänzten, geohrten Füllungen des Chorgestühls.

Reinigung des Chorgestühls mit einem Schleifvlies und einem Lösemittelgemisch aus Aceton, Ethanol und Siedegrenzbenzin (Mischverhättnis: 1:1:1).

Auftragen einer 5% Glutinleimlösche.

Einmaliges Überlangen der alten Oberflächenrückstände mit einem Naturharzlack bestehend aus Sandarak und Mastix gelöst in Ethanol (siehe Materialliste).

Um ein homogenes, matt glänzendes Gesamtbild zu erhalten, muss die aufgetragene Oberfläche wieder reduziert und anschließend verdichtet werden. Naturharzlackreduzierung, bzw. Naturharzlackverdichtung wurde mit einem Schleifvlies und Filz verschiedener Härtegrade durchgeführt (siehe Abb. 21, 23, 24, 27,29).

 

Die Oberfläche der südlichen Seite wurde wie folgt bearbeitet:

Reinigung der Oberflächenbeschichtung mit Ethanol und einem Schleifflies.

Die durch Lichtschäden stark vergraute Chorgestühlshälfte wurde mit einer pigmentierten 5% Glutinleimlösche (siehe Materialliste) überlangen. Ziel dieser Maßnahme war das farbige Einstimmen des unterschiedlich erhaltenen Vorzustandes beider Seiten.

Die Zusammensetzung der Leimlösche der südlichen Dorsale ist eine andere als die der südlichen Brüstung.

Einmaliges Überfangen des Chorgestühls mit einem Naturharzlack (siehe oben). Um ein homogenes, matt glänzendes Gesamtbild zu erhalten, muss die aufgetragene Oberfläche wieder reduziert und verdichtet werden. Naturharzlackreduzierung, bzw. Naturharzlackverdichtung mit einem Schleifvlies und Filz verschiedener Härtegrade (siehe Abb. 20, 26, 28).

 

7. VERWENDETE MATERIALIEN

Holz:

Eiche, Fichte, Linde

 

Glutinleim:

Knochenleim (Fa. Naumann) und Hautleim (Fa. Kremer) in Perlenform im Massenverhältnis 2:1

 

Oberflächenreiniger:

a) pH - neutrale Seifenlösung

b) Ethanol

c) Aceton, Ethanol und Siedegrenzbenzin 100-140

Mischverhälnis 1:1:1 (Kremer)

d) Ethanol, Rotweinessig, Terpentinersatz,

Leinöl und Neutralseife; Verhältnis: 2:2:2:1

 

Abbeizer:

Grüneck ( Fa. Chemische Werke Kluthe)

 

Kittungen:

a) Araldit SV 427, Härter HV 427 ( MMP) (Fa. CIBA-GEIBY, GößI und Pfaff)

b) Holzpaste, Acryllkitt; ( Fa. Clou)

c) Weichwachsstangen; ( Fa. König)

 

Bleichmittel:

Ammoniak

 

Schleifmittel:

Schleifpapier, Körnung 320 -400,

Schleifvlies Ultra fine (Fa. Rosner)

 

Leimlösche:

5 g Hautleim in 100 ml destilliertem Wasser

Pigmentierte Leimlöschen.

 

südliche Brüstung:

700 ml destilliertes Wasser

50 g Hautleim

18 g Kassier Braun (Fa. Kremer)

9 g Beinschwarz (Fa. Kremer)

19 g Tetra Pozzuoli (Fa. Kremer)

 

südliche Chorgestühlsseite:

700 ml destilliertes Wasser

5O g Hautleim

16 g Kassler Braun (Fa. Kremer) 8g Beinschwarz (Fa. Kremer) 9g Tetra Pozzuoli (Fa. Kremer)

 

Färbestoffe:

a) Rosner Lacke Natureffekt P8 Beize Nr.: 91226 und PS Beize farblos ( Fa. Rosner)

b) Wasserbeizen ( Fa. Zweihorn und Clou)

 

Aquarellfarben:

(Fa. Schminke)

 

Lacküberzug:

Sandarak und Mastix im Verhältnis

2:1 gelöst in 6 Teile Ethanol ‚ Zuschlag

Balsamterpentinöl ca. 10%, (Fa. Kremer)

 

Schrauben:

Edelstahl, V2A ( Fa. Preisinger)

 

 

8. ZEICHNUNGEN

 

9. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

 

Abb. S/W:

 

VZ: Vorzustand

ZZ: Zwischenzustand

EZ: Endzustand

 

Abb. 1: Balkenlager

Abb. 2: Balkenlager

Abb. 3: Podestbalken

Abb. 4: demontiertes Gestühl

Abb. 5: Gestühl, Nordseite, VZ

Abb. 6: Gestühl, Kirchenschiff

Abb. 7: Gestühl, Kirchenschiff, Detail

Abb. 8: Wandanschluß, Detail, VZ

Abb. 9: Dorsalverbindung, VZ

Abb. 10: Verbindung Gestühl Wandvertäfelung ZZ

Abb. 11: Brüstung ZZ

Abb. 12: Gestühlsranddocke ZZ Abb. 13: Chorschranke, Detail ZZ

Abb. 14: Teil der nördlichen Wandvertäfelung, VZ

Abb. 15: Vergleichsbeispiel, Chorgestühl Ochsenhausen

 

Dia 1: Außenansicht der Kath. Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt" in Wettenhausen

Dia 2: Außenansicht der Kath. Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt" in Wettenhausen

Dia 3: Außenansicht der Kath. Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt" in Wettenhausen

Dia 4: Verpackung des Gestühls während der Bauarbeiten

Dia 5: Verpackung des Gestühls während der Bauarbeiten

Dia 6: Verpackung des Gestühls während der Bauarbeiten

Dia 7: Rückseite der in Zweitverwendung genutzten Dorsalfüllungen auf der Nordseite

Dia 8: Rückseite der in Zweitverwendung genutzten Dorsalfüllungen auf der Nordseite

Dia 9: Rückseite der in Zweitverwendung genutzten Dorsalfüllungen auf der Nordseite

Dia 10: Dorsalsüdseite, VZ, angelegte Musterflächen

Dia 11: Brüstung Südseite, VZ

Dia 12: Brüstungsfüllung Nordseite VZ

Dia 13: Wandverkleidung mit Türe zur Sakristei, VZ

Dia 14: Füllung der nördlichen Wandverkleidung, VZ

Dia 15: westliche Antrittsstufe der Südseite, ZZ

Dia 16: nördliche Tür zur Klausur, VZ

Dia 17: Füllung aus nördlichen Brüstung, ZZ

Dia 18: nördliche Gestühlshälfte, ZZ

Dia 19: Antrittsstufe der Chorschranke, VZ und Muster

Dia 20: Türe zur Sakristei, EZ

Dia 21: Türe zur Klausur, EZ

Dia 22: Wandvertäfelung zur Sakristei, EZ

Dia 23: Nordwestlicher Gestühlseingang, EZ

 

10. LITERATUR

• Hans KOEPF: Bildwörterbuch der Architektur, Kräner; S. 92-93 (Chorgestühl)

• georg DEHIO: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern III: Schwaben, München Berlin 1989; S. 1085.

• Wettenhausen, Kath. Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt"; Voruntersuchung Chorgestühl durchgeführt vom Restaurator Clemens von Schoeler, Januar 1998

• Kirchenführer Wettenhausen: Schnell, Kunstführer Nr. 43 (1934) 5., überarbeitete Auflage 1986

• Kirchenführer Ochsenhausen: Bilder und Druck Gebr. Metz, 7415 Wannweil

• Honour FLEMING: Lexikon Antiquitäten und Kunsthandwerk, C. H. Beck, Prestel • Franz Sales Meyer, Illustriertes Handbuch der Ornamente, Parkland

 

11. FOTOS