Restaurierung Kirchenbänke
ZRW Berlin

Restaurierung des Gestühls aus der Trauungskirche Rehberg

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von TrustIndex. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Erfahrungen & Bewertungen zu Zentrale Restaurierungswerkstatt Berlin
Möbelrestaurierung
Restaurierung des Gestühls aus der Trauungskirche Rehberg

Im Auftrag des Bundesdenkmalamts hat das ZRW Berlin das historische Kirchengestühl mit Marketerien der Trauungskirche Rehberg (Filialkirche hl. Johannes der Täufer) bei Krems an der Donau in Niederösterreich restauriert. Das Gestühl entstand um 1600 und gehört zu den seltenen erhaltenen Kirchenbänken aus dieser Zeit.

Die Arbeiten umfassten die Untersuchung, Reinigung, konstruktive Sicherung und restauratorische Bearbeitung der Kirchenbänke. Im Mittelpunkt standen die Erhaltung der historischen Konstruktion, der Marketerien und der originalen Oberflächen sowie die behutsame Ergänzung fehlender Bestandteile.

Restaurierung Kirchenbänke
ZRW Berlin

Identifikation und historische Einordnung

Die historische Veste Rechperg wurde erstmals im Jahr 1141 erwähnt. In den folgenden Jahrhunderten befand sie sich unter anderem im landesfürstlichen Besitz und war zeitweise Witwensitz von Agnes von Ungarn, einer Enkelin Rudolfs I. von Habsburg. Zu den späteren Besitzern gehörten unter anderem die protestantischen Freiherren von Thonradl, die Grafen Küfstein-Weissenwolf sowie die Familien Salburg, Hoheneck und Falkenhayn. Im Jahr 1822 wurde die Anlage zum Materialwert von 1100 Gulden verkauft und anschließend abgetragen. Zerstörungen durch Kriegshandlungen sind nicht überliefert. Der letzte Umbau des Schlosses erfolgte zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Das historische Gestühl der Filialkirche zum heiligen Johannes dem Täufer beziehungsweise der Trauungskirche Rehberg wird in die Zeit um 1600 eingeordnet.

ZRW Berlin

Beschreibung der Kirchenbänke

Eine Kirchenbank ist etwa 102 cm hoch und 340 cm lang. Sie besteht aus zwei Seitenhäuptern und einem Mittelhaupt. Sitzfläche und Buchablage befinden sich in etwa 50 cm beziehungsweise 85 cm Höhe. Die Konstruktion ist durch traditionelle Holzverbindungen zusammengefügt. Die Sitzfläche ist mit den Seitenhäuptern vergratet; das Mittelhaupt ist von unten mit der Sitzfläche verdübelt. Die zum Mittelgang orientierten Seitenhäupter sind auf ihrer gesamten Fläche mit aufwendig ausgeführten Marketerien versehen.

Die Seitenhäupter zeigen florale Dekorationsmotive. Jeweils ein Pilaster mit aufgesetztem Kranzprofil gliedert die Fläche. Die Pilaster werden durch Profilleisten unterteilt und schließen oben mit einem Rautenmotiv ab. Seitlich der Rauten befinden sich Voluten, die in stilisierte Schneckenformen auslaufen. Die Kirchenbänke sind zu mehreren Blöcken zusammengefasst. Die beiden äußeren Bänke eines Blocks sind an den Längsseiten geschlossen. Die jeweils erste Bankreihe verfügt über eine Buchablage, während die letzte Bankreihe lediglich mit einer Sitzfläche ausgestattet ist.

Die geschlossenen Längsflächen werden durch jeweils drei Pilaster gegliedert. Profilleisten fassen die Flächen ein und greifen die Dekorationsmotive der Seitenhäupter wieder auf. Die Bänke stehen auf hölzernen Pilastern und sind mit diesen durch Schlitz-und-Zapfen-Verbindungen verbunden.

Restaurierung Kirchenbänke

Materialien

Als Grundholz der Kirchenbänke wurde Fichtenholz verwendet.

Für die Marketerien kamen unterschiedliche Holzarten zum Einsatz:

  • Ahorn- und Buchenholz für die Adern der Marketerie
  • Zedernholz für die floralen Dekorationsmotive
  • Ahornholz zur Einfassung der Dekorationsmotive
  • Nussbaumholz für die umlaufenden Randbereiche
  • Ahorn- und Zedernholz für die Gestaltung der Pilaster
  • Ahorn- und Zedernholz für die Voluten

Die Verwendung verschiedener Holzarten erzeugt einen kontrastreichen und zugleich charakteristischen dekorativen Aufbau der historischen Kirchenbänke.

ZRW Berlin

Datierung

Das Kirchenmöbel wird in den Übergang von der Spätrenaissance zum Frühbarock um 1600 datiert. Die Gestaltung mit Pilastern, Voluten, Rautenmotiven und floralen Dekorationselementen entspricht den Formen dieser Übergangszeit. Konstruktion und dekorative Gestaltung verbinden dabei traditionelle handwerkliche Techniken mit den zeittypischen Formen des Frühbarocks.
Restaurierung Kirchenbänke
ZRW Berlin

Zustandsbeschreibung

Bei der Untersuchung wurden deutliche Alters-, Gebrauchs- und Substanzschäden festgestellt.

Zu den wesentlichen Schäden gehörten:

  • instabile Verbindungen zwischen Kirchenbänken und Holzböden
  • nicht mehr funktionsfähige Gratverbindungen
  • Befall durch tierische Holzschädlinge
  • gelockerte Marketerien
  • fehlende beziehungsweise instabile Aufleimer an den Buchauflageflächen
  • teilweise fehlende Profilleisten
  • fehlende Voluten an einzelnen Häuptern
  • Risse in den Sitzflächenbrettern
  • Fehlstellen in den Marketerien
  • insbesondere Verluste im unteren Abschlussbereich der Seitenhäupter
  • Brand- und Schmauchspuren durch Wachskerzen
  • gelöste beziehungsweise geschwächte Verleimungen

Besonders die Verbindung von Schädlingsbefall, jahrhundertelanger Nutzung und klimatischen Schwankungen hatte zu einer erheblichen Schwächung der historischen Konstruktion geführt.

ZRW Berlin

Schadensursachen

Das Fichtenholz der Kirchenbänke sowie Teile der verwendeten Marketeriehölzer waren teilweise stark durch tierische Holzschädlinge geschädigt. Der Befall führte unter anderem zur Schwächung des Holzes und zur Lockerung einzelner Marketerieelemente.

Weitere Schäden entstanden durch die jahrhundertelange Nutzung des Gestühls. Mechanische Beanspruchung führte zu Verschleiß an Sitzflächen, Buchablagen und konstruktiven Verbindungen.

Darüber hinaus haben Wachskerzen Brandspuren in den historischen Holzoberflächen hinterlassen. Klimatische Einflüsse innerhalb des Kirchenraums führten im Laufe der Zeit zu Spannungen im Holz und zum Versagen beziehungsweise Lösen einzelner Leimverbindungen.

ZRW Berlin

Restaurierungsmaßnahmen

Ausbau

Für die Restaurierung mussten die Kirchenbänke blockweise ausgebaut werden. Hierfür waren zunächst die Sockelprofile zu entfernen. Die handgeschmiedeten Nägel, mit denen die Zapfen der Bänke durch die Schlitze des Podestes befestigt waren, wurden vorsichtig gelöst und entfernt.

Der Ausbau erfolgte unter besonderer Berücksichtigung der historischen Konstruktion, um originale Bauteile und Verbindungen möglichst vollständig zu erhalten.

Reinigung

Vor Beginn der eigentlichen Restaurierungsarbeiten wurden die Oberflächen der Kirchenbänke gründlich gereinigt. Anhaftende Verschmutzungen wurden zunächst mit einem Dampfreiniger gelöst und anschließend mechanisch entfernt. Die Reinigung wurde kontrolliert durchgeführt, um die historische Holzoberfläche und die empfindlichen Marketerien nicht unnötig zu belasten.

Restaurierung

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Restaurierung lag auf der konstruktiven Sicherung und Erhaltung der historischen Substanz. Die Fichtenholzböden von zwei Bankblöcken mussten aufgrund des starken Schädlingsbefalls und vorhandener Risse erneuert werden.

Die Konstruktion der Kirchenbänke wurde stabilisiert. Lose Marketerien und geschädigte Bereiche wurden gefestigt. Fehlende Marketerieelemente wurden unter Verwendung entsprechender historischer Holzarten ergänzt. Fehlende Voluten wurden nach historischem Vorbild ergänzt. Sitzflächen und Buchablagen wurden gefestigt, ausgerichtet und teilweise ausgespänt.

Die ursprünglich vorhandenen Zapfen dienten der Befestigung und Stabilisierung der Kirchenbänke im Fichtenholzboden. Da diese teilweise nicht mehr ausreichend tragfähig waren, mussten sie zu einem großen Teil erneuert werden. Neue Ergänzungen wurden mit H₂O-Beizen retuschiert und farblich an den historischen Bestand angepasst. Anschließend wurde das Holz der Kirchenbänke mit einer Wachsbeize behandelt.

Ziel der Maßnahmen war nicht die Herstellung eines neuwertigen Erscheinungsbildes, sondern die Erhaltung, Stabilisierung und materialgerechte Ergänzung des historischen Gestühls.

Wiedereinbau

Nach Abschluss der Restaurierung wurden die Kirchenbänke wieder in den Kirchenraum eingebaut.

Beim Wiedereinbau musste insbesondere darauf geachtet werden, dass die teilweise erneuerten Zapfen exakt ausgerichtet wurden und wieder in die historischen Schlitze der Konstruktion passten.

Zur zusätzlichen Stabilisierung wurden Holzdübel eingesetzt und verleimt. Dadurch konnte die konstruktive Verbindung der Kirchenbänke verbessert werden, ohne die historische Konstruktion grundsätzlich zu verändern.

Restaurierung Kirchenbänke
ZRW Berlin

Verwendete Materialien

Für die Restaurierung kamen unter anderem folgende Materialien und Werkzeuge zum Einsatz:

  • Fichtenholz
  • Ahornholzfurnier
  • Buchenholzfurnier
  • Zedernholzfurnier
  • Nussbaumholzfurnier
  • Halbleim aus Perl- und Hautleim im Verhältnis 50:50
  • Fischleim
  • H₂O-Beizen
  • Wachsbeize
  • Dampfreiniger
Restaurierung Kirchenbänke
ZRW Berlin

Restauratorischer Schwerpunkt

Die Restaurierung des Gestühls der Trauungskirche Rehberg zeigt exemplarisch die Anforderungen an die Restaurierung historischer Kirchenbänke und sakraler Holzausstattung. Neben der Sicherung der Konstruktion war insbesondere der Erhalt der historischen Marketerien von Bedeutung.

Die vorhandenen Materialien, historischen Verbindungstechniken und Gestaltungselemente wurden bei den Restaurierungsmaßnahmen berücksichtigt.

Ergänzungen wurden dort vorgenommen, wo sie für die Stabilität, Funktion oder das geschlossene Erscheinungsbild des Gestühls erforderlich waren. So konnte das historische Kirchengestühl konstruktiv gesichert und für die weitere liturgische Nutzung erhalten werden.

Sie betreuen historisches Kirchengestühl oder andere sakrale Holzausstattung? Das ZRW Berlin berät Kirchengemeinden, Denkmalbehörden und Eigentümer von der ersten Bestandsaufnahme bis zur Umsetzung der Restaurierung.

Restaurierung Kirchenbänke
ZRW Berlin

Unser Service

  • ✓
    Kostenlose Erstberatung und Begutachtung
  • ✓
    Ausführliche Dokumentation
  • ✓
    Professionelle Restaurierung
  • ✓
    Qualitätskontrolle
  • ✓
    Transport und Versicherung
  • ✓
    Garantiezertifikat
  • ✓
    Pflegeanleitungen

Kontaktieren Sie uns für eine fachkundige Beratung zur Restaurierung Ihrer Kirchenbänke oder sakralen Holzausstattung. Wir begutachten den Zustand vor Ort, erstellen ein Restaurierungskonzept und stimmen die Maßnahmen bei Bedarf mit der Denkmalpflege ab. Vereinbaren Sie noch heute einen Termin für eine kostenlose Erstbegutachtung.