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Im Auftrag des Vereins für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung (VGA) hat das ZRW Berlin die historische Wandvertäfelung im Vorderhaus des „Vorwärts“-Gebäudes an der Rechten Wienzeile 97 in Wien restauriert. Sie entstand um 1910 beim Umbau des Hauses durch die Brüder Hubert und Franz Geßner im Stil der Wagner-Schule.
Die Arbeiten umfassten die konstruktive Sicherung, die Restaurierung des Eichenholzfurniers sowie die Entfernung einer beschädigten Kunstharzoberfläche.
Auf einer Fläche von rund 95 m² wurden lose und beschädigte Furnierteile gesichert, Fehlstellen ergänzt und die historische Holzkonstruktion stabilisiert. Die abschließende Oberflächenbehandlung erfolgte mit Lemonschellack, um eine einheitlich weich schimmernde und dem historischen Erscheinungsbild entsprechende Oberfläche herzustellen.
Identifikation und historische Einordnung
1910 bezog die Partei das Gebäude, das von 1910 bis 1934 als Hauptquartier der österreichischen Sozialdemokratie und als Sitz der „Arbeiter-Zeitung“ diente. Von 1934 bis 1945 wurde das Haus vom Austrofaschismus und Nationalsozialismus besetzt und für deren Zwecke genutzt. Nach 1945 wurde das Gebäude zurückgegeben und diente weiterhin als Druck- und Verlagshaus der Sozialistischen Partei Österreichs.
1945 befand sich hier das Haus der „Arbeiter-Zeitung“.
1989 wurde im Gebäude das Studien- und Forschungszentrum der österreichischen Arbeiterbewegung eingerichtet. Seitdem wird hier zur Geschichte der Arbeiterbewegung geforscht und es werden historische Quellen aufbewahrt. Seit 1989 beherbergt das Haus den Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung (VGA). Die Geschichte des Gebäudes ist eng mit der Geschichte der sozialdemokratischen Bewegung verbunden. Mit dem Umbau und der Raumgestaltung wurden die Brüder Hubert und Franz Geßner beauftragt. Hubert Geßner, Schüler von Otto Wagner, war bis 1934 der „Hausarchitekt“ der Sozialdemokratie. Geßner ergänzte die vorhandene Bausubstanz um ein dreigeschossiges Gebäude im Stil der Wagner-Schule.
Im Parterre des Vorderhauses befanden sich unter anderem Teile der Administration der „Arbeiter-Zeitung“, die Büros von Parteianwälten sowie das Büro von Jakob Reumann, dem späteren ersten sozialdemokratischen Bürgermeister von Wien. Hier befindet sich die restaurierte Wandvertäfelung. Im ersten Stock befanden sich das Parteisekretariat, das Sekretariat der Abgeordnetenfraktion und die Redaktion der Parteizeitschrift. Das Sitzungszimmer des Parteivorstands befand sich in der Bibliothek. Dieser Bereich ist als Teil der ursprünglichen Innenstruktur des Hauses bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben. Auch die umfangreiche Bibliothek des Parteisekretariats blieb erhalten.
Beschreibung der Wandvertäfelung
Konstruktion
Die Wandvertäfelung besteht aus einer Eichenrahmenkonstruktion mit eingeleimten, rautenförmigen furnierten Sperrholzfüllungen. Die etwa 260 cm hohe Wandvertäfelung wird durch Sockelleisten im unteren Bereich und ein Kranzprofil im oberen Bereich eingefasst. Das Zentrum der rautenförmigen Füllungen wird durch schwarz-weiß ausgeführte Ahornfurniere besonders hervorgehoben. Die Gesamtfläche der Wandvertäfelung beträgt etwa 95 m².
Die Kombination aus Rahmenkonstruktion, geometrischen Füllungen und kontrastierendem Furnier bildet eine charakteristische Gestaltung der historischen Innenausstattung.
Material
Für die Herstellung der Wandvertäfelung wurden folgende Materialien verwendet:
- Ahornfurnier
- Eichenfurnier
- massives Eichenholz
- furnierte Sperrholzfüllungen
Die Eichenholzflächen bilden dabei den überwiegenden Teil der sichtbaren Oberfläche. Die Ahornfurniere setzen in den rautenförmigen Füllungen kontrastierende Akzente.
Zustandsbeschreibung
Die Wandvertäfelung wies sowohl konstruktive Schäden als auch erhebliche Schäden am Furnier und an der Oberfläche auf. Besonders auffällig waren Verkratzungen, gerissene und gelöste Furniere sowie instabile Verbindungen zwischen den einzelnen Bauteilen.
Konstruktion
Im Eichenholzfurnier waren erhebliche Verkratzungen sichtbar. Einzelne Füllungen waren zerbrochen. Darüber hinaus war die Wandvertäfelung sowohl in ihrer Konstruktion als auch bei den Befestigungen am Mauerwerk teilweise instabil. Im unteren Bereich der Wandvertäfelung verlaufen etwa 35 cm breite Seitenbretter als Sockel entlang der gesamten Wand. Durch das natürliche Schwinden und Quellen beziehungsweise Verwerfen des Holzes hatten sich einzelne Verleimungen gelöst. Einige Bretter waren zudem in Längsrichtung gespalten.
Frühere Restaurierungen
An der Wandvertäfelung waren Spuren früherer Restaurierungsmaßnahmen erkennbar. Vorhandene alte Kittungen und Ergänzungen zeigen, dass bereits zu einem früheren Zeitpunkt Reparatur- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt worden waren. Diese älteren Eingriffe wurden bei der erneuten Restaurierung berücksichtigt.
Eichenholzfurnier der Wandvertäfelung
Das verwendete Eichenholzfurnier ist sehr dünn ausgeführt. Durch Alterung und Austrocknung des Holzes entstanden erhebliche Schäden. Das Eichenholzfurnier war teilweise gebrochen und fehlte insbesondere an den Spitzen der rautenförmigen Eichenfüllungen. Die Fehlstellen und gelösten Furnierbereiche beeinträchtigten sowohl die Substanz als auch das Erscheinungsbild der historischen Wandvertäfelung.
Oberfläche
Die Oberfläche der Wandvertäfelung bestand aus einem früher aufgetragenen Kunstharzanstrich. Durch die Bewegung des Furniers und die damit verbundenen Veränderungen des Holzes war die Oberfläche über die gesamte Wandvertäfelung hinweg aufgerissen und runzelig. Die Elastizität des Kunstharzanstrichs reichte nicht aus, um die natürlichen Bewegungen des Holzes aufzunehmen. Dadurch kam es zu einem flächigen Aufreißen und einer deutlichen Beeinträchtigung der historischen Oberfläche.
Schadensursachen
Klimaeinflüsse
Im Eingangsbereich des Gebäudes befinden sich zwei Heizkörper. Um die Raumtemperatur regulieren zu können, müssen die angeschraubten Heizungsverkleidungen entfernt werden. Dadurch können die Heizkörper über längere Zeiträume in Betrieb sein. Die dadurch entstehenden klimatischen Veränderungen wirken sich unmittelbar auf das Holz und insbesondere auf das dünne Eichenholzfurnier aus.
Das Holz trocknet aus und arbeitet. Die dadurch entstehenden Bewegungen können von der unzureichend elastischen Kunstharzoberfläche nicht aufgenommen werden. In der Folge reißt die Oberfläche auf. Gleichzeitig können sich einzelne Furnierbereiche vom Untergrund lösen. Die Schäden sind somit wesentlich durch das Zusammenspiel von Holzbewegung, Austrocknung, klimatischen Schwankungen und der nicht ausreichend elastischen Kunstharzbeschichtung entstanden.
Restaurierungsmaßnahmen
Für die Reinigung von etwa einem Quadratmeter Eichenholz wurden rund 0,25 Liter Ethanol benötigt. Nach der Entfernung der alten Oberfläche wurden die beschädigten Bereiche des Eichenholzfurniers restauriert. Lose Furnierteile wurden gefestigt und wieder mit dem Untergrund verbunden. Fehlende Bereiche des Eichenholzfurniers wurden entsprechend ergänzt.
Auch lose Sperrholzfüllungen wurden wieder mit der vorhandenen Rahmenkonstruktion verbunden. Einzelne Befestigungen zwischen der Wandvertäfelung und dem Mauerwerk mussten zusätzlich stabilisiert werden, um die konstruktive Sicherheit der Wandvertäfelung wiederherzustellen. Fehlstellen und Ergänzungen wurden retuschiert und farblich an den vorhandenen Bestand angeglichen.
Restaurierung der Türen und Verglasungen
Im Raum mit der Wandvertäfelung befinden sich Türen mit unterschiedlich ausgeführten Verglasungen. Im Rahmen der Maßnahme wurde vereinbart, die Türscheiben – mit Ausnahme der Tür im Eingangsbereich – durch matte Glasscheiben zu ersetzen.
Neue Oberflächenbehandlung
Nach Entfernung der alten Kunstharzbeschichtung wurde eine neue Oberflächenbehandlung ausgeführt. Um auf dem Eichenholz eine einheitlich weich schimmernde Firnisoberfläche zu erzielen, wurde Lemonschellack aufgetragen.
Das Mischungsverhältnis betrug:
Ethanol : Schellack = 4 : 1
Durch diese Oberflächenbehandlung konnte eine gleichmäßige und zurückhaltende Oberfläche hergestellt werden, die sich harmonisch in die historische Wandvertäfelung einfügt.
Verwendete Materialien
Konstruktion
Für konstruktive Sicherungen und Ergänzungen kamen unter anderem folgende Materialien zum Einsatz:
- Eichenholz
- Eichenholzfurnier
- Ahornfurnier
- Halbleim aus Perl-/Hautleim im Verhältnis 50:50 Masse-%
Oberflächenbehandlung
Für die Reinigung und abschließende Oberflächenbehandlung wurden verwendet:
- Ethanol
- Lemonschellack
Das Mischungsverhältnis für die Schellacklösung betrug 4:1 Ethanol zu Schellack.
Restauratorischer Schwerpunkt
Die Restaurierung zielte auf den Erhalt der historischen Konstruktion und der vorhandenen Originalsubstanz. Beschädigte Furnierbereiche wurden gesichert, Fehlstellen ergänzt und konstruktiv instabile Bereiche stabilisiert. Mit der abschließenden Behandlung mit Lemonschellack erhielt die historische Wandvertäfelung wieder eine ruhig schimmernde Holzoberfläche, die den Charakter der vorhandenen Eichenholz- und Ahornfurniere zur Geltung bringt.
Die Maßnahme ist ein Beispiel für die fachgerechte Restaurierung historischer Wandvertäfelungen, furnierter Innenausstattungen und hochwertiger Holzoberflächen.
